Olivenöl als Elixier – das klingt nach Zauber und Märchen. Nach Druiden und Alchimisten.

Im eigentlichen Wortsinn verstanden, meint es einen Heiltrank, einen Auszug aus Heilpflanzen. Nun – hochwertiges, sauberes Olivenöl hat einige Wirkstoffe, die zu Heilzwecken oder der Linderung von Krankheiten dienlich sind.
Sei es z.B. das Vitamin E als Antioxidant oder das Oleocanthal als entzündungshemmender Stoff.

So gesehen, ist.s also durchaus ok, Olivenöl als Elixier zu bezeichnen. Und ein bisschen Zauber und Märchen bringt es auch mit. Erzählt doch die griechische Mythologie vom Göttervater Zeus, der seiner Tochter Athene, als Gewinnerin im Bruderstreit mit Poseidon, die Herrschaft über die nunmehr gleichnamige Stadt gab. Der Akt ihres Sieges: Sie steckte einen Holzstab in die Erde – aus ihm wuchs sogleich ein Olivenbaum. Oder Noah und seine Arche, von der eine Taube entsandt wurde um Land zu finden. Zurück kehrte sie mit einem Olivenzweig im Schnabel…

Dies alles beiseite gelassen und sachlich betrachtet, ist Olivenöl ein wohlschmeckendes,  gesundheitsförderliches Pflanzenöl*, das unsere Küche und unseren Gaumen um mediterranes Flair bereichert. *Details dazu in finden Sie in unserem Grundlagen-Artikel über Olivenöl und auch in unserem Faktencheck.

Bis wir solch leckeres Olivenöl genießen können – und sehen wir dabei von der industriellen Massenproduktion ab – verlangt es von den Olivenbauern ein arbeitsintensives und risikobelastetes Bemühen.
Um Ihnen, liebe Leser, ein wenig Einblick in die Arbeitswelt der Olivieres zu geben, wird nun das Olivenjahr im chronologischen Ablauf von „Ernte zu Ernte“ dargestellt.
Die Ernte selbst und die Oliven-Verarbeitung zeigt der Artikel Reisebericht Kreta

Arbeit im Olivenhain

  • Das neue Fruchtjahr beginnt spätestens Mitte Dezember, abhängig von Land und Region. Die Olivenhaine sind nun abgeerntet und die Bäume werden bis Ende Februar in Ruhe gelassen; gehen quasi in einen kurzen Winterschlaf.  Der Hain wird von rumliegenden Ästen befreit – kleine werden gleich verbrannt, größere zum Abtransport gestapelt – und gedüngt. Entweder mit (biologischem) Kunstdünger oder mit Schafs- und/oder Ziegendung (dieser ist sehr reich an Stickstoff)
  • Im März, wenn die letzten frostigen Tage vorüber sind und die Wärme Oberhand gewinnt, ist es Zeit die Bäume zu beschneiden. Es braucht viel Wissen und Erfahrung, die richtigen Äste wegzunehmen und jene zu belassen, die die nächste Fruchtfolge am besten bewerkstelligen können.

Ebenso ist jetzt auch die Zeit um den Boden zu fräsen und zu mulchen.

  • Es ist Mai und die Bäume beginnen zu blühen. 3-4 Wochen leuchtet der Olivenhain in zartem aber kräftig strahlendem Gelb und Weiß
  • Nun beginnt die Zeit des Wartens – und die letzten Jahren betrachtend, die Zeit des Bangens. Gibt es genug Regen? In den – wieder abgesehen vom industriellen Massenanbau – oft zerklüfteten und geografisch verteilten Olivenhainen familiärer Strukturen, fällt das Bewässern nicht so leicht aus, wie wir.s vom Gartengießen gewohnt sind.

Ist das Klima über längere Zeit zu feucht und die Nächte bieten kaum Abkühlung, beginnt der Kampf gegen die Olivenfliege. In den Sommermonaten, bis hinein in den September, wird nun
laufend mit Feromonfallen die Population der männlichen Insekten gemessen.

Hat sich der Olivenbauer dem biologischen Anbau verschrieben, wird.s eng mit den Möglichkeiten, diesen Schädling zu bekämpfen. Nicht selten verdirbt die Fliege soviel Fruchtbestand, dass sich eine Ernte nicht mehr lohnt. Für den Olivenbauern ist das ein finanzieller Supergau.

Konventionell betriebene Haine greifen jetzt auf Pestizide zurück.

  • Im September wird noch mal gefräst oder (eher) gemulcht um den Hain sauber zu halten und ihn auf die bevorstehende Ernte vorzubereiten.
    Nun zeigt der Baum auch seine natürliche Geschichte. Bodennahe bildet er junge Triebe, die im Laufe der Zeit – würden sie nicht geschnitten – den Olivenbaum in seinen Ursprungszustand
    verwandeln – einen Strauch. So dicht und manchmal mit Dornen versehen, dass eine Ernte unmöglich wäre.

Der Kreis schließt sich

Es ist Anfang / Mitte Oktober. Die Ernte läuft an und der Kreislauf beginnt von vorne. Lief bis hierher alles gut, können wir wieder wohlriechendes, lecker schmeckendes und der Gesundheit zuträgliches Olivenöl genießen!

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